118, die Zweite – Niederberger beziehen Position zu B-Plan-Änderungen

2014-01-08_Verw01_630pxInsgesamt 25 Anträge zur geplanten Neufassung des Bebauungsplans 118 gingen in den vergangenen Wochen bei der Stadtverwaltung Neukirchen-Vluyn ein. Die meisten Schreiben kamen von Bürgerinnen und Bürgern. Wenige Tage vor Ablauf der Auslegungsfrist traf sich eine 5-köpfige Delegation des Niederberg-Netzwerkes mit vier Vertretern der Stadtverwaltung, um einige der geplanten Regelungen näher zu beleuchten.

Gemeinsam diskutierte man die wesentlichen Punkte, die den Häuslebauern des betroffenen Bauabschnitts 2a / 2b unter den Nägeln brennen. Bei den meisten Punkten zeigte sich die Verwaltung zwar generell verständnisvoll, verwies aber darauf, dass die Entscheidung letztendlich bei der Politik liege. Die beiden Top-Themen des Gespräches waren die unterschiedliche Geländeniveaus, die vor allem bei der Gartengestaltung relevant werden, sowie die Waldabstandsgrenzen und die daraus resultierenden Baufenster.

Konsequenz: Abböschung oder Schräglage des Grundstücks?

Die Änderung des Bebaungsplans 118 sieht vor, dass die Grundstücke am Gartenende nicht höher sein dürfen als die anliegenden Grün- bzw. Waldflächen. Erlaubt sind demnach lediglich Kantensteine in Höhe von 30 cm. Aufgrund der unterschiedlichen Geländeniveaus müssten viele Grundstücksbesitzer aus dem Bauabschnitt 2 in den verbleibenden Gartenfläche einen Höhenunterschied von bis zu einem Meter Gefälle akzeptieren oder am Ende abböschen und dadurch einen Teil ihrer Gartenfläche verlieren.

Einige Häuslebauer haben im Hinblick auf die geplante Änderung bereits L-Steine gesetzt, um den Höhenunterschied auszugleichen. Andere wollen kurzfristig nachziehen, um somit auf Basis der aktuell gültigen Rechtsgrundlage Fakten zu schaffen. „Ein unzumutbarer Nachteil für alle, die jetzt erst mit ihrem Bau anfangen können“, erklärte Eduard Schander, Bauherr aus dem Abschnitt 2b, seinen Unmut über die geplanten Einschränkungen. Die Netzwerkvertreter machten daher den Vorschlag, den Grundstückeigentümern das Angleichen auf Grün- oder Waldhöhe nicht vorzuschreiben und auch in Zukunft L-Steine zuzulassen. Gleichzeitig stand die Frage im Raum: Warum sollen wir Häuslebauer des zweiten Bauabschnitts mehr Regeln akzeptieren müssen als unsere Nachbarn im Bauabschnitt 1?

Niederberg-Projektleiter Hans-Willi Pergens betonte dagegen, dass die Stadtverwaltung in diesem Punkt lediglich auf Anfragen von Bauherren nach einer möglichst einheitlichen Lösung reagiert habe. „Eine Überregulierung seitens der Verwaltung sehen wir hier nicht. Vielmehr sind die geplanten Änderungen Ergebnis eines Lernprozesses innerhalb des wachsenden Niederberg-Projektes.“

Niedrige Einfriedungen = zu wenig Sicherheit, zu viel Sichtblick

Acht Grundstücke innerhalb des zweiten Baugebietes liegen direkt an einem der vier Fußgängerwege zum Wald bzw. zur Grünfläche; Terrassen und Baukörper sind teilweise nur zwei Meter vom Weg entfernt. Für diese Grundstücke ist im Rahmen der anstehenden B-Plan-Änderung vorgesehen, auf einer Länge von 3,50 Metern einen 2,00 Meter hohen Sichtschutz außerhalb der ansonsten zulässigen Einfriedungshöhe von einem Meter zur öffentlichen Verkehrsflächen zuzulassen. Nicht genug, so der Tenor der Niederberg-Netzwerker. Für das Sicherheits- und Sichtschutzbedürftnis sei dies nämlich nicht ausreichend – „insbesondere für Familien mit kleinen Kindern“, betonte Torsten Henke.

Begrünte Zäune statt „Betontunnel“

An den Verkehrsflächen solle nach dem Vorschlag der Niederberg-Delegation grundsätzlich eine Einfriedung von bis zu 2,00m ermöglicht werden – immer bezogen auf die Höhe des vorhandenen öffentlichen Geländeniveaus. Dazu präsentierten die Netzwerker gleichzeitig den Vorschlag, den überwiegenden Teil der Einfriedung durch die Anwohner begrünen zu lassen, um unschöne „Betontunnel“ zu vermeiden. „Wir möchten ja schließlich selbst nicht, dass unser Wohnquartier nur aus Mauern besteht.“ Hier zeigte sich die Stadtverwaltung sehr interessiert und signalisierte Kompromissbereitschaft.

Waldgrenze: Bäume erster und zweiter Ordnung

Aufgrund einer falschen Übertragung des notwendigen Abstands zum Wald werden für drei Grundstücke die Baufelder vergrößert. Nach Ansicht der Netzwerker zeigen die Pläne, die dem Bebauungsplan 113 zugrunde liegen, dass auch noch andere Grundstück ein größeres Baufeld bekommen müssten. Dieser Stand sei zwischenzeitlich überholt, so Michael Harig vom städtischen Grünflächenamt, der als Grund weitere Neuanpflanzungen angab. Auch der kleine Exkurs in die Klassifizierung von Bäumen erster und zweiter Ordnung, die sich vor allem durch die Wachstumshöhe unterscheiden, machte bei den Niederbergern die Einteilung der Waldzonen und die daraus resultierenden Waldabstandsgrenzen nicht transparenter. Theodor Schulte stört vor allem „der krasse Versprung“ seines Waldgrundstücks, der ihm willkürlich erscheint. „Ich werde mir die Bäume mal genau ansehen und die Abstände nachmessen.“ Sollten die Maße nicht korrekt sein, sagte die Stadtverwaltung eine Nachprüfung zu.

Stadt bereitet vor, die Politik entscheidet

Die Niederberg-Delegation ist zuversichtlich, dass die Verwaltung dank des Gespräches und mithilfe der schriftlichen Anträge in vielen Punkten der Argumentation der Niederberger folgen kann und die Vorlagen für die politischen Entscheidungsprozesse entsprechend auf – und vorbereiten wird. Dennoch war schon während des Gespräches klar: „Da letztendlich die Politik entscheidet, werden wir noch mit den Fraktionen sprechen und auch dort die Situation erläutern“, stellte Schulte den nächsten Schritt der Niederberg-Netzwerker in Aussicht.

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3 Kommentare zu 118, die Zweite – Niederberger beziehen Position zu B-Plan-Änderungen

  1. Torsten Henke sagt:

    Die „Wünsche“ der Stadt gehen inzwischen so weit, dass wir für die Auffüllung unseres zzt. ca. 80cm tiefer als die Straße liegendes Grundstück einen Bauantrag stellen müssen (wir bauen mit Freistellung). Kurz vor Beginn der Arbeiten inkl. kleiner L-Steine zum Wald hin wurde uns ein Baustopp angedroht.
    Nicht die durch die Höhe der Straßen vorgegebenen Höhen seien relevant, sondern die Grundstückshöhe, die wir bei Kauf vorgefunden haben. Unser Architekt hat in den letzten 30 Jahren keinen Antrag auf Geländemodellierung gestellt und war auch sehr erstaunt.
    Durch diese Findigkeit – ob juristisch haltbar oder nicht – werden L-Steine, die niemand auf den Waldwegen sehen kann, verhindert (so wie im neuen B-Plan gewünscht).
    Nun gut, der Bauantrag wird jetzt eingereicht und hält die Vorgaben der geplanten B-Plan Änderung ein – vielleicht kommen wir ja darum herum, wenn die geplanten Änderungen noch verhindert werden können!
    Ich hoffe, dass wenigstens das Thema Einfriedung gut gelöst wird, da wir an unserer fast 10m langen Terrasse am Waldweg nicht auf dem Präsentierteller sitzen wollen. Wer kann schon sicher sein, dass nicht plötzlich jemand bei den Kindern im Garten steht…

  2. Theo Schulte sagt:

    Ich finde es bedauerlich, wenn immer noch kleine Teile der öffentlichen Verwaltung nicht verwirklicht haben, dass sie im Dienst der Bürger/innen stehen.
    Unter bürgernaher Verwaltung verstehe ich etwas anderes, als kleinlich nach unnötigen Hinderungsmöglichkeiten zu suchen.
    Ob diese Denkweise vom Rat der Stadt Neukirchen-Vluyn mitgetragen wird, zeigt sich in der Stadtentwicklungssitzung am 12.02.2014
    Im Mai 2014 sind bekanntlich Kommunalwahlen.

  3. Timo Glantschnig sagt:

    Ich kann es wirklich nicht nachvollziehen, warum hier einigen Bauherren das Leben schwer gemacht wird. Es ist doch vollkommen klar, dass man ein Grundstück aufschütten muss, wenn dies unter dem restlichen Geländeniveau liegt. Leider kann man hier nur noch Machtdemonstration als Grund vermuten. Ein guter Grund fällt mir auf jeden Fall nicht ein.
    Wenn man nicht aufschüttet wird man vermutlich auch mit Maßnahmen bestraft, weil man das Straßenniveau nicht erreicht.
    Also wie man es macht macht man’s falsch.

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